Hände in medizinischen Handschuhen ziehen Impfstoff aus einer Ampulle in eine Spritze auf – Symbolbild

Grippeimpfung 2026: Warum der Impfstoff diesmal komplett neu ist – und was sich bei Corona geändert hat

Editorial Team

Wer im Oktober zur Grippeimpfung geht, bekommt in diesem Jahr einen Impfstoff, der mit dem vom Vorjahr fast nichts mehr gemein hat. Für die Saison 2026/27 wurden alle drei Virusbestandteile ausgetauscht. Das passiert nicht jedes Jahr, und es hat mit dem vergangenen Winter zu tun. Gleichzeitig hat sich bei der Corona-Auffrischung einiges verschoben. Ein Überblick darüber, was die Grippeimpfung 2026 von früheren Jahren unterscheidet und wen die Empfehlungen betreffen.

Warum der Impfstoff jedes Jahr neu gemischt wird

Influenzaviren verändern sich ständig. Deshalb gibt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zweimal im Jahr eine Empfehlung ab, welche Virusvarianten in die Impfstoffe für die Nord- und die Südhalbkugel gehören. Für den kommenden Winter auf der Nordhalbkugel hat sie das Ende Februar 2026 getan. Die Impfstoffe sind trivalent, enthalten also Bestandteile gegen drei Virustypen: Influenza A (H1N1), Influenza A (H3N2) und Influenza B der Victoria-Linie.

Laut „Pharmazeutischer Zeitung“ wurden alle drei Komponenten gegenüber der Vorsaison ersetzt. Für Impfstoffe, die in Hühnereiern hergestellt werden, sind das A/Missouri/11/2025 (H1N1), A/Darwin/1454/2025 (H3N2) und B/Tokyo/EIS13-175/2025. Für zellkulturbasierte und rekombinante Impfstoffe gelten teilweise andere Stämme. Der Hintergrund dieser Zweigleisigkeit ist technisch, aber interessant: Wenn Viren für die Produktion in Hühnereiern vermehrt werden, können sie sich leicht verändern. Gerade bei H3N2 passt der Impfstoff dann womöglich schlechter zu den Viren, die tatsächlich kursieren. Zellkulturimpfstoffe umgehen dieses Problem.

Der Winter, der das Tempo vorgab

Dass diesmal so gründlich nachgebessert wurde, lässt sich mit der vergangenen Saison erklären. Im Dezember 2025 warnte das Robert Koch-Institut (RKI), die Grippewelle habe außergewöhnlich früh begonnen. Damals zirkulierte eine neue H3N2-Variante, die sich in mehreren Merkmalen vom Impfstamm unterschied. Nach damaligen Angaben, über die unter anderem t-online berichtete, lag die Schutzwirkung bei Erwachsenen dadurch nur bei etwa 30 bis 40 Prozent. Solche frühen Schätzungen sind mit Unsicherheit behaftet und werden später oft korrigiert. Sie zeigen aber, warum die Anpassung für 2026/27 so umfassend ausfiel.

Wichtig zur Einordnung: Auch eine nur teilweise passende Impfung kann schwere Verläufe abmildern. Ein Impfstoff, der gut zu den kursierenden Viren passt, schützt aber in der Regel besser. Wie gut die Passung in diesem Winter tatsächlich ist, lässt sich erst im Verlauf der Saison beurteilen.

Für wen die Grippeimpfung 2026 empfohlen ist

An den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) für die Grippeimpfung hat sich grundsätzlich nichts geändert. Laut RKI ist sie empfohlen für alle Menschen ab 60 Jahren, für Schwangere ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel (bei erhöhtem Risiko auch früher), für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit chronischen Erkrankungen, für Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen sowie für Beschäftigte im Gesundheitswesen. Auch wer regelmäßig Kontakt zu Geflügel, Schweinen oder Wildvögeln hat, gehört dazu.

Für Menschen ab 60 stehen Hochdosis- oder Impfstoffe mit Wirkverstärker zur Verfügung, die eine stärkere Immunantwort auslösen sollen. Laut RKI kommt es dabei etwas häufiger zu vorübergehenden Reaktionen wie Schmerzen an der Einstichstelle, Fieber oder Kopfschmerzen. Kinder und Jugendliche zwischen zwei und 17 Jahren, für die eine Impfung empfohlen ist, können statt einer Spritze auch einen Nasenspray-Impfstoff bekommen. Welcher Impfstoff im Einzelfall passt, klärst Du am besten in der Arztpraxis.

Als günstigen Zeitraum nennt das RKI Oktober bis Mitte Dezember. Der Grund: Der Höhepunkt der Grippewelle lag in den vergangenen Jahren meist erst nach dem Jahreswechsel, und der Körper braucht nach der Impfung etwa zehn bis 14 Tage, um den vollen Schutz aufzubauen.

Die Lücke zwischen Empfehlung und Wirklichkeit

Das eigentliche Problem liegt weniger beim Impfstoff als bei der Nachfrage. In der Saison 2024/25 ließen sich nach RKI-Daten nur rund 34 Prozent der Menschen ab 60 gegen Grippe impfen, der niedrigste Wert seit Beginn der Erfassung. Noch deutlicher ist die Lücke bei Kindern und Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen. Das RKI hat sich dieser Gruppe im September im „Epidemiologischen Bulletin“ gewidmet; Berichten zufolge lag die Impfquote dort über viele Saisons hinweg nur bei etwa zehn Prozent.

Warum so viele Empfohlene nicht geimpft sind, beantworten diese Zahlen nicht. Naheliegende Vermutungen gibt es, etwa eine gewisse Impfmüdigkeit nach den Pandemiejahren oder die verbreitete Gleichsetzung der Grippe mit einer harmlosen Erkältung. Das bleibt aber Interpretation. Belastbar ist vor allem die Zahl selbst: Ein großer Teil der Menschen, für die die Impfung gedacht ist, nutzt sie nicht.

Corona-Auffrischung: neue Altersgrenze

Wer die Grippeimpfung mit einer Corona-Auffrischung verbinden wollte, sollte die Änderungen vom Sommer kennen. Im Juli 2026 hat die STIKO ihre Empfehlung angepasst: Die jährliche Auffrischimpfung gegen COVID-19 ist für gesunde Erwachsene nun erst ab 75 Jahren vorgesehen, bisher lag die Grenze bei 60. Für gesunde Erwachsene unter 75 besteht laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung in der Regel keine Indikation mehr für eine jährliche Auffrischung. Für Menschen mit Vorerkrankungen, Beschäftigte in Medizin und Pflege und weitere Risikogruppen bleibt die Empfehlung bestehen. Als Zeitpunkt nennt die STIKO jetzt den Spätsommer oder Frühherbst. Begründet wird der Schritt damit, dass Todesfälle und Krankenhausaufenthalte durch COVID-19 deutlich zurückgegangen sind und die meisten Erwachsenen durch Impfungen und Infektionen eine breite Grundimmunität haben. Damit die Änderung auch für die Kostenübernahme greift, muss der Gemeinsame Bundesausschuss die Schutzimpfungs-Richtlinie anpassen.

Was der Winter bringen könnte

Wie heftig die Grippesaison 2026/27 wird, kann derzeit niemand seriös vorhersagen. Sicher ist nur, dass die Hersteller diesmal mit einem stark überarbeiteten Impfstoff in den Herbst gehen. Ob sich das auszahlt, hängt am Ende von zwei Faktoren ab: wie gut die gewählten Stämme zu den Viren passen, die tatsächlich kommen, und wie viele Menschen das Angebot annehmen. Auf den ersten Faktor hat niemand von uns Einfluss. Auf den zweiten schon.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Ob und mit welchem Impfstoff eine Impfung für Dich sinnvoll ist, besprich bitte mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.

Quellen