Fräulein Franzis Welt

Die neue Kolumne bei fashiony.de:
Fräulein Franzis Welt
Fräulein Franzi gewährt Euch einen Einblick in ihr Leben, ihren Erfahrungen, ihre Meinung und Geheimnisse: Abwechslungsreiche Artikel über Alltagsituationen, Mode, Beauty, Events und Freundschaften. Tretet ein in Fräulein Franzis Welt…

Schöne Nichtigkeiten

Ich kann mich stundenlang im Internet auf ein und derselben Seite aufhalten, ohne mich zu langweilen. Ich kann mir auch einen ganzen Nachmittag lang stumpfsinnige Fernsehsendungen anschauen, ohne irgendwann genervt zu sein.

 

Allerdings nur, wenn ich eigentlich für meine Prüfungen lernen müsste. In den letzten Wochen war es das schönste für mich, stundenlang zu Hause mit schlechtem Gewissen vor meinem Laptop zu sitzen und alles andere zu machen, außer zu lernen. Serien zu gucken war für mich Lern-Motivation und Lern-Ablenkung zugleich.

Ich hatte mir immer vorgenommen nur eine Folge zu schauen und danach sofort weiter zu lernen. Leider ist mir das nie gelungen, ich war zu gefangen im Geschehen und so wurden aus einer Folge meistens vier oder fünf. Erst wenn das schlechte Gewissen unerträglich wurde, konnte ich mich losreißen. So ging das über Wochen.

Seit Montag bin ich jetzt frei, ich habe keine Prüfungen mehr und vor mir liegen zwei ganze Monate Ferien. Das wollte ich direkt nach meiner letzten Prüfung feiern, indem ich es mir mit einer Tasse Kaffee und einem Film zu Hause gemütlich gemacht habe. Aber schon nach der Hälfte des Films langweilte ich mich und verzweifelte schier an der Frage, was ich in den nächsten Wochen mit meiner vielen freien Zeit anfangen sollte. Denn einfach nur die Zeit totzuschlagen ist nicht mehr besonders spaßig, wenn man auf einmal Unmengen an Zeit hat.

All die Dinge, die mich in den letzten Wochen so wunderbar vom lernen abgelenkt haben, haben jetzt plötzlich ihren Reiz verloren. Es ist nichts Besonderes mehr, einen gemütlichen Film-Nachmittag zu machen, weil ich das theoretisch die nächsten Wochen jeden Tag machen könnte. Die unbegrenzten Weiten des Online-Shoppings reizen mich auch nicht mehr, denn ich habe jetzt wieder Zeit richtig einkaufen zu gehen. Da erlebt man wenigstens auch keine bösen Überraschungen beim anprobieren der ausgesuchten Teile.

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Oder zumindest seltener.  Mir zeigt das nur wieder, dass viele Dinge nur dann besonders reizvoll oder spaßig sind, wenn sie eigentlich verboten, unpassend oder unvernünftig sind. Im Alltag und für sich betrachtet erweisen sie sich dann leider oftmals als Zeitverschwendung. Man sollte sich stattdessen öfter mal Zeit für wirklich besondere Dinge nehmen. Die wird man nämlich immer zu schätzen wissen.  Ein Belohnungsfrühstück nach den überstandenen Prüfungen zum Beispiel:

 

 

Dafür lohnt es sich dann auch, sich während der Prüfungszeit nicht von Nebensächlichkeiten ablenken zu lassen, sondern tapfer durchzuhalten bis zum Schluss. Um danach die freie Zeit mit ganz vielen ganz besonderen Momenten zu füllen. In diesem Sinne: Schöne Ferien!

Star-Search

Ich gehöre leider nicht zu den Leuten mit Promi-Radar. Selbst wenn Kate Moss in meiner Nachbarschaft wohnen würde, würde ich es wahrscheinlich dennoch schaffen, ihr nie zu begegnen. Sogar in Städten wie London oder Berlin zur Fashion-Week habe ich es bisher noch nie geschafft, jemand auch nur halbwegs Prominenten zu treffen. Tom Cruise hat in Salzburg Szenen für einen seiner Filme gedreht während ich da war. Die Stadt ist wirklich nicht groß (Tom zwar auch nicht, aber er wäre bestimmt anhand der vielen Leibwächter auszumachen gewesen), ich bin ihm dennoch kein einziges mal begegnet. Wahrscheinlich als einzige Person in ganz Salzburg. Ich scheine irgendwie immer zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Wobei, aktuell trifft das nicht mal zu. Eigentlich bin ich momentan genau am richtigen Ort und das sogar auch noch zur richtigen Zeit.

 

Seit zwei Wochen nämlich dreht der berüchtigte Mister Pete Doherty – Musiker und Ex-Freund meines liebsten Supermodels Kate- einen Film in meiner Heimatstadt. Zahlreiche Bekannte, Freunde von Freunden und natürlich die regionale Presse haben ihn schon getroffen. Gestern schockierte mich mein eigener Bruder mit der Nachricht, dass er bei einem samstäglichen Stadtbummel ebenfalls Pete über den Weg gelaufen ist.

Einfach so. Und mein Bruder interessiert sich für Pete Doherty ungefähr so, wie ich mich für den Tabellenstand der ersten Fußball-Bundesliga. Nämlich gar nicht. Er hat es daher auch nicht für nötig gehalten sich ein Autogramm zu holen. Sicher, warum auch? Ich werde ja bestimmt noch tausendfach die Gelegenheit haben Pete selber nach einem Autogramm zu fragen. Leider kommt aktuell zu meinem Problem mit dem fehlenden Star-Radar auch noch eine hartnäckige Grippe hinzu. Seit Pete in der Stadt ist, liege ich nämlich krank im Bett und habe somit seither keinen Fuß mehr in die Innenstadt gesetzt.

 

Genau eine Woche bleibt mir jetzt noch, dann reist die Filmcrew wieder ab. Diese eine Woche kann auf zwei Arten verlaufen: Entweder ich bin nach wie vor krank und somit zu Hause bei meiner Familie, oder ich werde gesund und fahre in meine Wohnung nach Österreich, weil das neue Semester diese Woche anfängt. Pete Doherty zu treffen ist bei keiner der beiden Varianten sehr wahrscheinlich.

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Mir bleibt also nur weiterhin den Berichten der Glücklichen zu lauschen, die ihn „völlig unerwartet beim bummeln“ gesehen haben und das, obwohl sie „nicht mal Ausschau nach ihm gehalten haben“. So eine Geschichte möchte ich auch mal zu erzählen haben. Sollte ich jemals einem echten Promi begegnen, würde meine Geschichte mit Sicherheit so anfangen: „Ich hatte gehört, dass sie in der Stadt ist um ihren neuen Film/Song/Duft/… vorzustellen, also bin ich auch hingefahren.

Nach tagelangem Fragen und Suchen vor Ort und vorangegangenen Recherchen über ihr Lieblingsrestaurant/ -café/-geschäft und dem Abklappern sämtlicher Luxushotels haben wir sie dann endlich gesehen.“ Aber selbst das wäre es mir wert.  So, ich muss jetzt aufhören und ferngucken. Vielleicht wurde Pete ja wieder irgendwo gesichtet.

 

Lieben Gruß Eure Fräulein Franzi…

Zug-Zwang

Seit ich wegen meines Studiums in eine andere Stadt gezogen bin, fahre ich fast wöchentlich mit dem Zug zwischen alter und neuer Heimat hin und her. Ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt und es macht mir nichts aus. Klar, mit Verspätungen hier und da muss man immer rechnen. Auch mal mit Zug-Ausfällen. Alles kein Problem. Bislang konnte ich die Leute, die ständig über die Bahn gemeckert haben, nie verstehen. Ich fand das alles nicht so dramatisch. Bis zu einem Vorfall Mitte Dezember 2010. Ich wollte wie üblich über das Wochenende nach Hause fahren. Durch starken Schneefall war es schon die ganze Woche zu Problemen im Schienenverkehr gekommen und so musste auch ich am Bahnhof dann feststellen, dass mein Zug an diesem Tag gar nicht fahren würde. Ich musste also auf eine andere Verbindung ausweichen…

 

…die zwar länger dauern, mich aber trotzdem ans Ziel bringen würde.

 

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So war zumindest der Plan. Der erste Teil der Strecke verlief dann auch ganz problemlos, dann musste ich aber in einen anderen Zug umsteigen. Ich war knapp dran, erwischte ihn aber gerade noch und quetschte mich erleichtert zwischen die anderen vielen Menschen, die sich hinter den Türen zusammendrängten. Einen Sitzplatz zu bekommen wäre utopisch gewesen, also stand ich eingepfercht zwischen Toilette und Treppenaufgang. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon komplett fertig mit den Nerven und wollte nur noch so schnell wie möglich nach Hause. Wir fuhren circa 500 Meter weit, als plötzlich Lichtblitze zu beiden Seiten des Zuges aufleuchteten und wir abrupt stehen blieben. Dann gingen die Lichter im Zug aus. Und ich war in Todespanik. Auch die prompte Durchsage des Lokführers machte die Situation nicht unbedingt besser: „Sehr geehrte Fahrgäste, soeben sind die Oberleitungen gerissen.

 

Die Weiterfahrt wird sich um unbestimmte Zeit verzögern. Ein wichtiger Sicherheitshinweis: Der Zug steht aktuell unter Strom, wir bitten Sie deshalb sämtliche Türen geschlossen zu halten, da ansonsten Lebensgefahr besteht.“ Sofort fingen alle meine Mitfahrer an, hektisch durcheinander zu reden. Ich war einfach nur starr vor Schreck. Mittlerweile war das Licht zwar wieder an, aber mir gingen trotzdem die schlimmsten Todesszenarien durch den Kopf. Ein ankommender Zug, der uns zu spät bemerkt und uns rammt. Die ganze Nacht in dem engen Abteil eingesperrt sein und schließlich qualvoll ersticken. Durchgedrehte Fahrgäste, die aufeinander losegehen. Das waren alles sehr beunruhigende Gedanken.

Nicht jedem schien der Ernst der Lage aber so bewusst zu sein wie mir. Nach den ersten fünf Minuten des Wartens drängelte sich ein angetrunkener Mann durch das Abteil zur Toilette, in der Hand eine Packung Zigaretten. Er sperrte sich in dem winzigen Raum ein und ward danach nicht mehr gesehen. Ein anderer unangenehmer Herr, der natürlich direkt neben mir stand, fühlte sich auf einmal dazu berufen das ganze Zugabteil zu unterhalten. Er gab einen geschmacklosen “Witz“ nach dem anderen zum Besten und genoss es offensichtlich sehr, zur Abwechslung mal ein Publikum zu haben, das nicht weglaufen konnte. Es fanden sich sogar einige Humor-Legastheniker, die den grauenhaften Witzen etwas abgewinnen konnten und dies durch unnötig laute und ziemlich nervtötende Lachsalven zum Ausdruck bringen mussten. Ich war irgendwann kurz davor freiwillig die Türen aufzureißen und mich aus dem Zug zu stürzen, so untragbar war die Situation. Der ganze Spaß dauerte geschlagene zwei Stunden an, bis endlich eine Ersatzlok beschafft werden konnte, die uns wieder die 500 Meter zurück in den Bahnhof ziehen konnte. Als ich endlich aussteigen konnte war ich erledigt und fertig mit den Nerven.


Das Schlimmste war gar nicht die immer wieder kurz aufsteigende Panik oder die lange Wartezeit. Nein, viel schlimmer war es stundenlang mit Leuten eingesperrt zu sein, die man normalerweise keine fünf Minuten ertragen würde – und auch nicht müsste. Es ist doch erstaunlich was man alles überstehen kann, wenn man dazu gezwungen ist. Definitiv eine interessante Erkenntnis. Aber durchaus eine, auf die ich hätte verzichten können.

Eat – Pray – Be silent

Diese Woche habe ich festgestellt, dass ich eine meiner liebsten Freizeitbeschäftigungen aufgeben muss. Es fällt mir zwar wirklich schwer, aber ich werde nicht mehr ins Kino gehen können.  Der Grund dafür ist ebenso simpel wie ärgerlich: Im Kino bin ich ein Deppen-Magnet. Für meine Freunde ist das sehr praktisch, denn die müssen sich nie sorgen, einen unangenehmen Sitznachbarn abzukriegen. Der landet nämlich garantiert auf dem freien Platz neben mir und nicht bei ihnen. Das hat mir wirklich schon so manchen Film verdorben. So auch diese Woche wieder. Ich saß im Kinosaal, wartete auf Julia Roberts und war schon gespannt was sie bei ihrer Rundreise um die Welt alles erleben würde. Da ließen sich drei Mädels neben mir nieder, die sofort anfingen lautstark ihre Wochenendpläne zu besprechen.


Mir – als erfahrenem Deppen-Magneten- war sofort klar, dass diese Mädels auch während dem Film weiter reden würden.

 

Meistens ist es nämlich so, dass die Leute, die sich während der Werbung so laut unterhalten, als stünden sie in einer Disco, auch während dem Film keine Rücksicht auf andere nehmen. Und so war es dann auch. Zusätzlich hatte sich auch noch ein Kerl hinter mich gesetzt, der seine Füße keine Minute stillhalten konnte und damit die ganze Zeit über gegen meine Lehne trat. Ich war also umzingelt. Und das war sogar für mich eine neue Extremsituation. Den ganzen Film über saß ich da und überlegte, ob es sich lohnen würde meine Sitznachbarn zur Räson zu rufen und damit einen Streit zu riskieren, oder ob ich sie einfach ignorieren und versuchen sollte, mich auf den Film zu konzentrieren.

Bis ich mit meinen Überlegungen fertig war, war auch der Film aus. Julia Roberts hatte gegessen, gebetet und geliebt. Und ich war stinkwütend. Ich verstehe nicht was Leute dazu bewegt im Kino Geld für einen Film auszugeben, der sie dann ganz offensichtlich nicht interessiert. Wer Redebedarf hat, sollte mit seinen Freunden ins Café gehen und nicht ins Kino. Ein Latte Macchiato ist ja auch wesentlich billiger als eine Kinokarte.

 

Cocktails mit Carrie

Vintage-Wahn

Zwischen zwei Leben

Da viele Leute das aber anders zu sehen scheinen und ihre Kaffeekränzchen zuverlässig weiterhin ins Kino verlegen werden, bleibt mir nichts anderes übrig, als mich zurück zu ziehen. Nie mehr gemütliche Kino-Abende mit meinen Freunden. Nie mehr meine übliche Riesentüte mit salzigem Popcorn. Nie mehr an dunklen Winterabenden in eine bunte Welt flüchten. Aber kann das die Lösung sein? Ich fürchte nicht, denn dazu geh ich einfach viel zu gerne ins Kino. In Zukunft werde ich nur einfach warten, bis ein Film schon kurz davor ist auszulaufen. Dann erst, wenn ihn alle anderen schon gesehen haben, werde ich in die Vorstellung gehen. Und einen hoffentlich leeren Kinosaal genießen.

Wenn ihr also mal ein Mädchen in den ältesten Film, den das Kino noch anbietet, gehen sehen solltet, beladen mit Popcorn und einem glücklichen Lächeln im Gesicht, dann wundert euch nicht. Freut euch stattdessen für sie, denn manchmal ist sie ganz gerne allein.

 

WM-Weiber und Outfits in Dortmund

Die Leiden eines Leichtmatrosen

 

Die Leiden eines Leichtmatrosen

Die Sache ist ja die: kaum hält der Sommer Einzug in die Stadt, wird auch aus der lethargischsten Couch-Königin eine unternehmungslustige Party-Prinzessin. Somit auch aus mir. Was, im Nachhinein betrachtet, wohl auch der Grund für meine überstürzte Zusage zu dem in unserer Stadt monatlich ablegenden „Party-Schiff“ war. Genau genommen sind Schiffe nämlich gar nicht so mein Ding. Geschweige denn die Fortbewegung auf ihnen. Aber da meine Prüfungen gerade vorbei waren, die Sonne so schön schien und ich sowieso nicht wusste, was ich mit meiner vielen freien Zeit anfangen sollte, sagte ich begeistert zu, als eine Freundin mich auf das „Austropop-Party-Schiff“ einlud.

 

(An diejenigen unter euch, denen die Musikrichtung „Austropop“ (Österreich-Pop) nichts sagt: macht euch nichts draus. Ihr habt nichts verpasst. Und das von mir, einer Wahl-Österreicherin.)

 

Die erste Stunde war noch relativ angenehm, beschienen von der untergehenden Abendsonne tuckerten wir über das Wasser und blickten dem Ausflug durchaus positiv entgegen. Bald darauf waren uns allerdings zwei Dinge klar. Erstens: man gewöhnt sich mit der Zeit leider nicht an die Austropop-Musik, im Gegenteil: der Nerv-Faktor erhöhte sich stündlich. Und zweitens: hat das Schiff erstmal abgelegt, ist man darauf für den Rest des Abends gefangen. Hätte ich jeden Club schon längst fluchtartig verlassen, so war mir dies auf dem Schiff leider nicht möglich. Mir blieb also nur übrig, mich meinem Schicksal zu fügen. So bootsuntauglich ich nämlich auch sein mag, mindestens genau so unsportlich bin ich auch, weshalb zurück schwimmen keine wirkliche Alternative für mich darstellte.

 

Als ich dann nach einiger Zeit auch noch leicht seekrank wurde, war der Abend für mich komplett gelaufen. Die Kollision mit einem Eisberg hätte mich nicht mehr schockieren können, als der regelmäßige Blick auf meine Uhr und die damit verbundene Feststellung, dass ich noch viele Stunden auf dem Schiff würde zubringen müssen. Unverständlicherweise schienen meine Mit-Matrosen die unsägliche Musik nach einiger Zeit durchaus als tanztauglich zu empfinden und wankten und schwankten fröhlich über Deck. Einige bewegten sich so exzessiv am Rand der Tanzfläche, dass ich oftmals fürchtete, sie würden gleich über Bord gehen. Glücklicherweise geschah dies natürlich nicht.

So fuhren wir also durch die Nacht, die funkelnden Discolichter erleuchteten den Himmel, über uns die Sterne und unter uns das tiefe, dunkle Wasser. Eigentlich eine sehr schöne Erfahrung, wären die Begleitumstände anders gewesen.

 

Sollte es also irgendwann mal ein Partyschiff geben, auf dem tolle Musik gespielt wird und das währenddessen nicht ablegt, sondern im Hafen an Ort und Stelle verankert bleibt, so bin ich mit Sicherheit der erste Mitternachts-Matrose der an Bord geht!

 

WM-Weiber und Outfits in Dortmund

In meiner Familie war Fußball schon immer ein großes Thema. Spätestens seit mein Bruder mit 6 Jahren zu spielen anfing und wir jedes Wochenende auf einem anderen Bolzplatz inmitten schreiender Fußballer-Elternpaare verbrachten. Besonders begeistert hat mich das nie und ich konnte auch nicht verstehen, was alle an dem Sport so toll fanden.Bis zur WM 2006. Ein Fußballfieber war in Deutschland ausgebrochen, dem sich niemand entziehen konnte, nicht einmal ich. Meine Freundinnen und ich fingen an, ein paar Deutschland-Spiele zu gucken und fanden allmählich Gefallen daran.

 

Wir statteten uns mit schwarz-rot-goldenen Accessoires, Schminkutensilien und Fähnchen aus und zogen derart gut vorbereitet von Spiel zu Spiel. Seither bin ich „Event-Fußballfan“, wie ich von den eingefleischten Anhängern häufig abfällig tituliert werde. Und warum auch nicht? Ich finde Fußball nun mal interessanter, wenn es dabei um etwas so großes geht. Außerdem ist die Stimmung zur WM-Zeit einfach einzigartig. Ein Land vereint in Hoffnung, Zweifel, Enttäuschung und Freude. Man läuft ja in dieser Zeit auch Gefahr zum sozialen Außenseiter zu werden, wenn man versucht sich diesem sportlichen Großereignis zu entziehen. Auf die Frage „Was machst du morgen Abend, wollen wir was unternehmen?“ kam in den letzten Wochen in 99 Prozent der Fälle die empörte Antwort: „Sicher nicht, da ist Deutschland/Brasilien/Spanien-Spiel, da habe ich keine Zeit!“

Ein Tag an dem auch ich auf jeden Fall vor dem Fernseher sitzen werde ist dieser Mittwoch. Deutschland gegen Ghana, das entscheidende Spiel. Meine Freundinnen und ich sind jetzt schon richtig nervös. Der Tisch zum gemeinsamen Gucken ist reserviert, die Fanmontur liegt bereit, die Abseits-Regel wurde nochmal verinnerlicht. Sollte Deutschland an dem Abend verlieren und somit ausscheiden, ist die WM für mich nicht mehr interessant. Das ist mein gutes Recht als Event-Fan.

 


Es wäre allerdings sehr schade, die WM wäre vorbei, bevor sie überhaupt richtig angefangen hat. Deshalb werde ich am Mittwoch sämtliche Daumen drücken und die Mannschaft vor dem Fernseher anfeuern. Ich bin mir sicher, da werde ich nicht die einzige sein. Fußball-Deutschland wird sich versammeln, gemeinsam bangen und mitfiebern. Und am Ende hoffentlich zusammen feiern.

In diesem Sinne: auf einen spannenden Abend, ein erfolgreiches Spiel und eine tolle Weltmeisterschaft! Dass auch wir Event-Fans und WM-Weiber noch möglichst lange in  Fußball-Euphorie schwelgen können.

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WM Outfits auf dem Dortmunder Friedensplatz

 


Cocktails mit Carrie

Vintage-Wahn

Zwischen zwei Leben

Cocktails mit Carrie

Letzte Woche war es endlich so weit: der von den meisten Frauen langersehnte zweite Teil des „Sex and the City“ –Films kam in die Kinos. Schon seit Wochen hatte ich mich darauf gefreut. Klar, dass meine Freundinnen und ich gleich für den Premieren-Tag Karten reserviert hatten. Der Trailer versprach viel: dramatische Liebes-Wirrungen, dauerhafte Frauenfreundschaft, bunte Cocktails und natürlich tolle Mode.

Ich glaube nicht, dass ich mir schon jemals so viele Gedanken darüber gemacht habe, was ich für einen Kinobesuch anziehe wie an diesem Abend. Sogar zu Kino-Dates bin ich nachlässiger gekleidet gegangen. Und das, obwohl klar war, dass wir nur von Frauen umgeben sein würden, da sich an diesem Abend bestimmt  kein einziger Mann auch nur in die Nähe eines Kinos getraut hätte. Trotzdem –oder gerade deshalb- war es meinen Freundinnen und mir besonders wichtig, angemessen gekleidet zu diesem Filmerlebnis zu erscheinen.

Als wir im Kino ankamen, stellten wir fest, dass wir nicht die Einzigen waren, die zu schicken Kleidern gegriffen hatten. Fast jede der anwesenden Frauen hatte sich an besonderen und teilweise ziemlich extravaganten Outfits versucht. Einige kamen –passend zum Wüsten-Thema des Films- in Kaftanen oder Tuniken. Einige griffen auch gewaltig daneben. Und einige kamen betont unspektakulär in ausgewaschenen Pullis und Jeans.
Die Stimmung im Foyer war aber trotz unterschiedlicher Garderobe bei allen gleich: aufgekratzt und fröhlich. Meine Freundinnen und ich waren extra früher gekommen, um uns vor Ort noch in echter Carrie-Manier auf den Film einzustimmen. Ganz so glamourös wie bei den vier New Yorker Freundinnen lief das natürlich nicht ab, wir bestellten zwar jede ein Glas Sekt, mussten aber mit den Kino-eigenen Plastik-Bechern vorlieb nehmen. Unserer Stimmung tat das dennoch keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Die Vorfreude hatte uns schon den ganzen Tag lang berauscht und der Sekt tat sein Übriges dazu. Der Film konnte also nur gut werden!

Und das war er wirklich. Beäugte ich die erste Viertelstunde das Geschehen auf der Leinwand noch mit Skepsis, so verflogen meine Zweifel mit der Zeit immer mehr, bis ich mich schließlich königlich amüsierte, zwischen meinen beiden Tränen lachenden Freundinnen. Gemeinsam bewunderten wir Charlotte, lachten mit Miranda, litten mit Carrie und amüsierten uns mit Samantha. Es war ein klasse Abend mit klasse Frauen – sowohl auf der Leinwand, als auch davor.
Ich hatte lange nicht mehr so einen schönen, lustigen und auch klischeebehafteten Mädels-Abend und kann dies somit nur jeder Einzelnen von euch empfehlen.

Schnappt euch eure Mädels, schlüpft in eure High-Heels und stöckelt zusammen mit Miranda, Charlotte, Samantha und Carrie in einen wunderbaren Abend.

 

Vintage-Wahn

Ich liebe Mode. Sehr. Glücklicherweise befand ich mich letzte Woche in Paris, der Stadt der unbegrenzten Einkaufsmöglichkeiten. Glücklicherweise befand ich mich dort mit meiner fashion- verrückten Freundin, der mit der unbegrenzten Shopping-Ausdauer. Natürlich waren wir auch dort, um uns kulturell weiter zu bilden. Dennoch kann und will ich nicht leugnen, dass wir vor der Abreise die Adressen der besten Läden rausgesucht haben, statt im Reiseführer die spektakulärsten Sehenswürdigkeiten zu markieren. In Paris gibt es nämlich etwas, das man in meiner Heimatstadt lange suchen kann: Vintage-Läden. Und zwar dutzende.

 

 

Und so stiefelten meine Freundin und ich –nach einigen Stunden im Louvre wohlgemerkt- mit unserem Adressen-Zettel durch Paris, wie zwei Seeräuber auf Beutezug, immer der Schatzkarte nach. Unsere Schritte wurden immer schneller, der Blick immer gehetzter, als wir ihn schließlich fanden: den ersten Vintage-Laden auf unserer Liste. Laut unseren Recherchen, sollten die Klamotten dort „für Pariser Verhältnisse günstig“ sein, was im Normalfall natürlich bedeutet „immer noch viel zu weit über meinem Budget“. Wir machten uns dahingehend also nicht allzu viele Hoffnungen. Irrtum Nummer eins. Meine Freundin und ich stellten uns den Laden als versteckt gelegenen Geheimtipp vor, in dem man sich in Ruhe umschauen konnte, da ihn bestimmt nicht so viele Leute kannten und wir den Laden somit für uns hätten. Irrtum Nummer zwei.

 

Als wir eintraten, flogen uns erstmal Unmengen von Tüchern, Pullis und anderen Stoffkreationen entgegen. Der Laden, der ungefähr die Größe einer Schuhschachtel hatte, war bis unter das Dach vollgestopft mit Klamotten, Hüten, Schuhen, Taschen und Verrücktheiten. Und durch diese Berge wühlten sich geschätzte 50 modebegeisterte Mädels, allesamt mit einem gierigen Glitzern in den Augen. Es gab genau eine Umkleidekabine in diesem Laden, was uns in Anbetracht der shoppingwütigen Massen relativ problematisch erschien. Wie wir später erfahren sollten war es das auch, wurde meine Freundin doch gleich brüsk und auf Französisch zurechtgewiesen, als sie in der Umkleidekabine einen Pulli anprobieren wollte. Fragend blickten wir umher, wir verstanden das Problem nicht.

 

Der Ladeninhaber zeigte auf die anderen Mädels, die sich mitten im Laden ihre T-Shirts vom Körper rissen, um die Vintage-Teile gleich an Ort und Stelle anzuprobieren. Anscheinend war die Kabine nur für Leute gedacht, die ganze Outfits anprobieren wollten und denen man nicht zumuten wollte, komplett in Unterwäsche durch den Laden spazieren zu müssen. Wir setzten unsere Schnäppchen-Suche dennoch unbeirrt fort, als mein Blick nach oben wanderte. Dort war aus Platzmangel eine Art Galerie angebracht worden, auf der Unmengen von Taschen gestapelt waren. Auf die Galerie gelangte man nur über eine kleine Trittleiter, bei deren bloßem Anblick mir schon angst und bange wurde.

 

Die anderen Mädels sahen das aber offenbar weniger kritisch und hangelten sich beherzt an der Leiter und der Galerie nach oben, um an die Taschen zu gelangen. Auf mäßig modebegeisterte Menschen hätte dieser Anblick vielleicht etwas skurril gewirkt, aber in dem kleinen Vintage-Laden wunderte sich niemand. Vermutlich spielten sich dort tagtäglich solche und ähnliche Shopping-Szenarien ab. Meine Freundin und ich verzichteten allerdings auf die Kletter-Erfahrung und suchten uns unsere Lieblingsstücke stattdessen auf sicherem Boden.

Ob sich der ganze Wahn gelohnt hat? Bei einem Blick auf meine Einkäufe muss ich definitiv sagen: ja! Dennoch bin ich jetzt auch wieder ganz froh um meine Läden zu Hause, in denen genug Umkleidekabinen vorhanden sind und man nicht Gefahr läuft beim Einkaufen von einer herunterstürzenden Tasche oder Schnäppchenjägerin erschlagen zu werden.

 

„Ihr hattet ähnliche Shopping-Erlebnisse oder wollt einfach nur eure Meinung zur Kolumne loswerden? Dann schreibt mir unter franzi@fashiony.de !“


 

 

Zwischen zwei Leben

Ein Umzug ist immer aufregend und symbolisiert in gewisser Weise einen Neuanfang, auch wenn man nur eine Straße weiter zieht. Wechselt man aber nicht nur die Wohnung, sondern auch die Stadt und – wie in meinem Fall- sogar das Land, dann ist das ein komplett neues Leben. Des Studiums wegen bin ich letzte Woche von Deutschland nach Österreich gezogen und versuche seither mir hier Stück für Stück eine zweite Heimat, ein zweites Leben aufzubauen. Ich kann euch sagen, das ist nicht einfach.


Alles, was ich zu Hause bereits hatte, muss ich mir hier jetzt neu erkämpfen. Es wird noch lange dauern, bis ich ganz selbstverständlich weiß, mit welchem Bus ich wohin komme, ich Lieblingscafés gefunden habe und ich durch die Straßen laufe und dabei Leute treffe, die ich kenne. Momentan bewege ich mich noch völlig anonym und fremd durch die Stadt.

 

Natürlich hat das auch einige Vorteile. Denn selbst wenn ich mal nur wenig geschlafen habe und dementsprechend aussehe, kann ich sorglos zerknittert und blass durch die Gassen laufen, ohne Angst haben zu müssen jemanden zu treffen, der mich in dem Zustand besser nicht sehen sollte. Keine unangenehmen Begegnungen mit unliebsamen Bekannten, Ex-Freunden, Ex-Affären oder anderen Gefühlsirrungen. Man kann komplett neu anfangen und sein, wer und wie man möchte.

 

Auf der anderen Seite ist es natürlich auch schön, Leute zu haben, die einen schon lange kennen und eben genau wissen, wie und wer man ist. Es ist einfacher, man muss nicht viel erklären und versteht sich trotzdem ganz selbstverständlich. In meiner neuen WG zum Beispiel, war in der ersten Uniwoche verstärkt Party angesagt. Eigentlich war ich an einem Abend zu müde und hatte überhaupt keine Lust noch feiern zu gehen. Meinen Freunden daheim hätte ich das ohne Umschweife mitgeteilt und hätte mir trotzdem sicher sein können, dass sie mich beim nächsten mal trotzdem wieder fragen würden, ob ich mitkomme, in die Stadt, auf die nächste Party, wohin auch immer.

Vor meinen neuen Mitbewohnern konnte und wollte ich aber nicht schlappmachen und mich somit der Gefahr aussetzen, schon gleich in der ersten Woche meinen Ruf als Langweilerin des Jahrhunderts wegzuhaben.

 

Also bin ich mitgegangen, als sie loszogen. Um mich herum nur Leute, die ich weniger als eine Woche kannte. Und soll ich euch was sagen? Es war gar nicht mal so schlimm, wie ich befürchtet hatte. Ich hatte Spaß, meine Müdigkeit war wie weggeblasen und ich hätte locker noch länger durchhalten können. Es ist also manchmal gar nicht so schlecht, offen zu sein für Neues und sich mal nicht so zu verhalten, wie man es normalerweise tun würde.

 

Wozu der ganze Aufwand, fragt ihr euch jetzt vielleicht. Naja, wenn man Glück hat entwickeln sich daraus tolle Freundschaften und man findet Menschen, vor denen man irgendwann doch wieder genau so sein kann wie man wirklich ist.

 

Weitere spannende Geschichten von unserer Fräulein Franzi findet Ihre hier:

 

„2010“ – unser Jahr

Fräulein Franzis Welt – Problem-Prinzessin

Fräulein Francisco

„Hier sitzt schon meine Handtasche.“

„Heute bin ich 14“

„Mädchentag“

 

„2010“ – unser Jahr

Hallo, meine Lieben, willkommen im neuen Jahr. Ich hoffe, ihr Alle habt die besinnliche Zeit und den Jahreswechsel gut hinter euch gebracht. Mich packt ja an Silvester immer so eine Art Endjahres-Depression, im Zuge welcher ich auf das alte Jahr zurückblicke und mich frage, was eigentlich schiefgelaufen ist. Die Sache mit den guten Vorsätzen habe ich zwar schon lange abgehakt, dennoch wünsche ich mir natürlich immer, dass das neue Jahr in mancherlei Hinsicht besser laufen wird als das vergangene.

 

So gibt es zum Beispiel einige Menschen, die 2009 noch ein Teil meines Lebens waren, von denen ich aber weiß, dass es 2010 nicht mehr so sein wird. Die Zeit zeigt einfach eben doch immer, was Bestand hat und was nicht. Sollte ich darüber traurig sein? Vielleicht. Aber ich bemühe mich, es stattdessen als Chance zu sehen. Ich habe einiges dazugelernt über Menschen im Allgemeinen und Freundschaften im Speziellen. Auch wenn diese Erfahrung eher traurig und ernüchternd war, so war sie dennoch gleichermaßen wertvoll.

 

Natürlich hat das Jahr 2009 auch viele Chancen geboten, auf die ich nie zu hoffen gewagt hätte. In meinem Leben ist so einiges passiert, vieles davon habt ihr durch diese Kolumne mit“erlebt“. Auch das Jahr 2010 verspricht spannend zu werden und ich bin voller Vorfreude auf alle Möglichkeiten, die es zu bieten hat. Im Februar werde ich ein Praktikum bei einem Fernsehsender beginnen und ich freue mich schon darauf, euch von meinen Erlebnissen dort zu berichten. Noch habe ich keine Ahnung was mich erwarten wird, auf jeden Fall wird es stressig und chaotisch und anstrengend werden. Aber vor allem eine wichtige Erfahrung.

 

Viele meiner Freunde hatten es 2009 auch nicht immer leicht, wurden enttäuscht und verletzt. Mein Wunsch für sie ist, dass sie mit Zuversicht und neuer Kraft in dieses Jahr starten und sich auch von Rückschlägen nicht aus der Bahn werfen lassen. Genau das wünsche ich mir auch für euch: packt das neue Jahr beim Schopf und macht es zu EUREM Jahr. Holt das Beste aus jedem Tag heraus, auch wenn das vielleicht nicht immer leicht ist. Aber für diese Zeiten habt ihre eure wahren Freunde, die euch in diesen Situationen zur Seite stehen und euch unterstützen.

 

Woran man wahre Freunde erkennt, fragt ihr euch jetzt? Ja, meine Lieben, das sind die, die es immer wieder geschafft haben, auch im neuen Jahr noch ein wichtiger Teil eures Lebens zu sein.

 

Für diejenigen, die mir schreiben wollen: franzi@fashiony.de

Fräulein Franzis Welt – Problem-Prinzessin

Heute möchte ich euch meine langjährige Bekannte und treue Weggefährtin, die Problem-Prinzessin, vorstellen. Wie ihr Name schon vermuten lässt, ist mit ihr nicht gut Kirschen essen. Ist sie erst einmal da, geht sie auch so schnell nicht wieder. Und das, obwohl sie oft nicht mal eingeladen, ja sogar unerwünscht ist. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass sogar ich manchmal von ihr genervt bin, obwohl –oder gerade weil- ich sie jetzt schon so lange kenne.

 

 

Eine unserer ersten Begegnungen ist nun schon viele Jahre, wurde aber Gott sei Dank für die Nachwelt auf Videoband festgehalten. Ich war ungefähr drei Jahre alt und ein echtes Prinzesschen. Gewohnt zu bekommen was ich wollte. Auf besagtem Videoband sieht man recht deutlich, was passiert, wenn etwas mal nicht nach meinem Willen läuft: ich verwandele mich in ein grummeliges, schimpfendes, bockiges und wütendes Wesen. Kurz gesagt in das Problem-Prinzesschen eben. Ich denke, spätestens seit diesem Wintertag vor 19 Jahren sind wir unzertrennlich.

Ohne sie verlasse ich auch niemals das Haus, man weiß ja nie, wann man ihre Hilfe brauchen kann. Versperren Handwerker dir deinen Parkplatz, so dass du nicht mehr herausfahren kannst und zu spät zur Arbeit kommst, sorgt sie für freie Fahrt. Wirst du grundlos von einem Mitmenschen angepflaumt, sagt sie ihm die Meinung. Findest du beim Brunch im Café ein Haar in deinem Joghurt, lässt sie ihn zurückgehen. Ich könnte hier noch endlos Beispiele aufzählen, in denen sie mir eine gute und unverzichtbare Freundin war.

 

Wie ich vorhin schon erwähnte hat sie aber leider die schlechte Angewohnheit manchmal auch uneingeladen aufzutauchen. Man freut sich auf den Kinoabend mit dem Freund und ist bestens gelaunt, bis man an der Kasse erfährt, dass es für den favorisierten Film keine Karten mehr gibt. Schwupps taucht das Prinzesschen auf und macht den Freund zur Schnecke, warum er keine Karten reserviert hat. Das kann manchmal ganz schön unangenehm sein und den ein oder anderen Abend, der eigentlich super angefangen hatte, zerstören. Zum Glück kennen meine Freunde und meine Familie meine Problem-Prinzessin schon fast genauso lange wie mich und bringen zudem oft ihre eigenen Quengel-Madames, Mecker-Prinzen und Stänker-Monsieurs mit. Somit bin ich also nicht allein.

 

Und meine Prinzessin zum Glück auch nicht.

Fragen, Anregungen, Kritik wie üblich an franzi@fashiony.de

 

Herbstzeitlos

So, meine Lieben, der Winter ist da. Zumindest bei uns hier in der Gegend. Und ich fühle mich beraubt. Ich hatte so viele Pläne für die Herbstzeit. Drachen steigen lassen, Pilze suchen gehen im Wald und einfach den Sommer (der bis vor 3 Tagen bei uns noch herrschte) langsam ausklingen lassen… Und was ist jetzt stattdessen? Heute trat ich ganz optimistisch in meinem Übergangs-Mäntelchen vor die Tür – und erstarrte zum Eiszapfen. Es war über Nacht Winter geworden, so schnell hatte ich noch gar keine Pullis, Jacken und Cardigans shoppen können, wie ich sie in diesem Jahr gebraucht hätte.

 

 

Da ich sehr kälteempfindlich bin, tat ich das Einzige, was mir in dieser Notsituation übrig blieb: Ich verfiel in eine Kältestarre. Was im Klartext bedeutet, dass ich mich seither weigere, das Haus zu verlassen. Bisher läuft das ganz gut, ich habe genug Schokoladen- und DVD-Vorräte um locker damit durch die nächsten paar Tage zu kommen. Schwierig wird es erst dann, wenn meine Freunde -trotz des Wetters- etwas mit mir unternehmen wollen.

 

Ich mag den Winter nicht und bin auch einfach noch nicht bereit für die bitterkalte Zeit und dafür zitternd durch die Stadt von einem Laden in das nächstgelegene Café zu hetzen. Ich hatte mich auf milde Herbstspaziergänge eingestellt. Kaffeetrinken im Freien, eingehüllt in eine leichte Decke. Lachend über buntes Herbstlaub und goldene Wiesen zu laufen und dabei einen Drachen steigen zu lassen. Zu diesen Unternehmungen hätte ich mich nur allzu gern bereiterklärt. Aber dass ich natürlich bei dem momentanen Wetter keinen Fuß vor die Tür setzen will, kann mir wohl keiner meiner Freunde verübeln. Ist ja schließlich nicht meine Schuld, dass diese fiese Jahreszeit bei uns schon so früh Einzug gehalten hat.

 

Einige Tage später: Die Sonne scheint. Draußen ist schönes Wetter. Der perfekte Herbsttag. Ich sollte mich freuen, aber ich betrachte den Wetterumschwung mit Missmut. Seit Tagen verbringe ich meine Zeit gemütlich eingemummelt zu Hause und lasse die Seele baumeln. Ich habe sogar heimlich schon ein paar Weihnachtslieder gehört. Diese plötzliche Wetteränderung passt mir ganz und gar nicht.

Das Telefon klingelt, meine Freundin ist dran: „Hey Franzi, heut ist so schönes Wetter und du jammerst doch schon seit Tagen, dass du dieses Jahr keinen Herbstspaziergang machen konntest. Heute wäre der ideale Tag dafür, also wie sieht´s aus, wann treffen wir uns?“

 

 

 

Ich muss schlucken. Ich blicke an mir herunter. Ich sehe meine Füße in den gemütlichen, warmen Weihnachtssocken, die im Takt zu „Last Christmas“ wippen. Ich sehe den Stapel DVDs mit meinen Lieblingsserien einladend neben dem Fernseher liegen. Ich sehe die Weihnachts-Zimt-Schokolade in meiner Hand. Und auf einmal weiß ich, was ich zu tun habe. Ich räuspere mich, sage meiner Freundin, dass ich ziemlich angeschlagen bin und mich nicht fit genug fühle für einen Spaziergang, gehe zielstrebig auf das Sofa zu, schalte den Fernseher ein, lasse mich in die Kissen sinken und bin rundum glücklich.

 

Ist der Winter nicht eine wunderschöne Jahreszeit?

 

An dieser Stelle wieder der Nachtrag an euch: Wie verbringt ihr die Herbst/Winter Zeit? Antworten, Anregungen, Kritik oder einfach falls ihr Fragen habt an: franzi@fashiony.de

 

Fräulein Francisco

Hallo, meine Lieben, hiermit melde ich mich zurück aus dem Urlaub. Diesmal stand ich vor der schwierigen Frage, wie man 2 Wochen Roadtrip-Erlebnisse durch Amerika in einen Artikel packen soll. Schließlich möchte ich euch ja kein Detail vorenthalten, wie zum Beispiel die Beinahe-Panne mitten auf dem Highway vor L.A. oder den Verlust meines Handys, das jetzt an irgendeiner Tankstelle an der Route 66 liegt. Da ich aber denke, dass eine Stadt wie San Francisco interessanter ist als zum Beispiel das ausgetrocknete Death Valley, fange ich dort mit meinem Bericht an.

 

 

San Francisco war die letzte Station auf unserer Reise und ich war schon sehr gespannt darauf, denn mein letzter Besuch war über acht Jahre her und ich hatte kaum noch Erinnerungen an die Stadt. Mein erster Eindruck als wir abends ankamen war –na sagen wir es mal so: Ich fürchtete mich schon die 100 Meter vom Auto zu unserem Hotel zu gehen, aus Angst auf dieser Strecke überfallen zu werden. Allerdings muss ich dazu auch sagen, dass ich eine eher ängstliche Person bin. Am ersten Tag vor Ort machten wir uns daran, die Stadt zu erkunden.

Wir liefen zum bekannten „Pier 39“, fuhren zur weltberühmten „Golden Gate Bridge“ (von der wir leider nicht allzu viel sahen, denn die ganze Brücke lag im Nebel, als  wir hin kamen. Leider kein seltenes Phänomen in San Francisco…), besuchten das „Museum of Modern Arts“ und nebenher bestaunte ich die kuriosen Gestalten, die  dort die Straßen bevölkerten. Langsam fing ich an Gefallen an San Francisco zu finden, ich war entzückt von den großen Häusern, dem entspannten Lebensstil, der  Energie der Stadt und den kreativen Köpfen, die sich in den Straßen und auf den Plätzen tummelten.

Was mich dann aber vollends überzeugte war das große und vielfältige Einkaufsangebot, das sich mir auf dem Union-Square –nur ein paar Meter von unserem Hotel  entfernt- darbot. Ich weiß, ich weiß, es ist nur eine Floskel in Amerika, aber dennoch war es schön beim Betreten des Ladens mit einem freundlichen „Hallo, wie geht  es dir heute?“ begrüßt zu werden, anstatt von einer mürrischen Verkäuferin in Deutschland angepflaumt zu werden, nur weil man die Maximalmenge von 5  Kleidungsstücken pro Kabine überschritten hat. Bei mir ist es ja so: Sobald ich in einer Stadt einmal shoppen war, fühle ich mich dort schon gleich heimisch. Nach drei  Tagen Aufenthalt hatte also auch ich die Stadt vollends in mein Herz geschlossen (bei meinem Freund ging das schneller. Ihn –den leidenschaftlichen Musiker- hatten  die Straßenbands schon gleich am ersten Abend überzeugt).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als es dann schließlich ans Abreisen ging war ich ziemlich traurig, denn ich hätte die Stadt gerne noch näher erlebt, das Nachtleben erkundet (was ich mich an den ersten Abenden einfach nicht getraut hatte), die entspannten Leute kennengelernt oder mich in einen der vielen, wunderschönen Parks gelegt, ohne all die Dinge, die mich eindeutig als Tourist entlarvten (da wären meine ständig klickende Kamera, der immer geöffnete Stadtplan und mein Brustbeutel, den ich stets panisch umklammert hielt. Ich sagte ja bereits, dass ich von Haus aus ziemlich nervös bin).

Wieder in heimischen, Gefilden kann ich sagen, dass ich eines aus dieser Erfahrung gelernt habe: Es ist nie gut, wenn einem Vorurteile den Spaß an einer Reise verderben, weil man beispielsweise gehört hat, dass Großstädte gefährlich sind und sich deshalb nicht vor die Tür traut. Werft euch einfach mitten in das Leben und lasst euch treiben, erkundet die Welt auf eigene Faust, dann wirkt sie gleich viel weniger bedrohlich.

 

 

Hier noch ein kleiner Nachtrag von mir. Vielen lieben Dank für eure Kommentare und euer Interesse an meiner Kolumne, ich habe mich so gefreut eure Meinungen zu lesen. Um direkt mit mir Kontakt aufzunehmen oder einfach um über die nächsten Artikel informiert zu sein: „Follow me on twitter“ unter http://twitter.com/FraeuleinFranzi

Für Anregungen, Kritik oder einfach falls ihr Fragen habt könnt ihr mir auch schreiben an: franzi@fashiony.de

 

Kleinstadtindianer

Ich liebe meine Heimatstadt heiß und innig. Sie ist klein, aber fein. Bisher habe ich nie etwas vermisst oder mir gewünscht in einer größeren Stadt zu leben. Bis zum letzten Wochenende zumindest. Es war ein Samstagabend, meine Freundinnen und ich wollten endlich mal wieder richtig schick ausgehen, auf den ein oder anderen Cocktail in eine der vielen Bars unserer Stadt. Zu diesem Anlass hatte ich mich in mein funkelndes Paillettenkleid geworfen, das schon seit Wochen in meinem Schrank auf seinen großen Auftritt wartete.

 

 

Ich fühlte mich fabelhaft und mega-glamourös. Meine Freundinnen und ich komplettierten unsere Outfits noch mit passenden Haarbändern, die wir ganz im Hippie-Stile trugen. Nie wäre mir zu diesem Zeitpunkt in den Sinn gekommen, dass unser Styling besonders ausgefallen oder ungewöhnlich sein könnte. Als treue Modemagazin-Leserin war ich mit dem Haarband-Trend ja schließlich schon sehr lange vertraut und dies erwartete ich auch von meinen Mitmenschen. Leider stellte sich schon nach wenigen Metern heraus, dass die meisten Leute eher zu tief ins Glas als in eine Modezeitschrift geschaut hatten. „He, Pocahontas!“ und „Bist du ein Indianer?“ waren noch einige der geistreicheren Sprüche, die ich mir an diesem Abend anhören durfte. Auch mein Paillettenkleid war anscheinend für manch schlichtes Gemüt zu viel des Guten.

 

Im Vorbeigehen spekulierten einige Leute darüber, ob es sich bei unserer Dreier-Truppe wohl um einen Junggesellinnen-Abschied handele, andere brachten mit einem schlichten „Boa, Glitzer!“ ihr Erstaunen zum Ausdruck.

 

Gegen Ende des Abends war ich nur noch genervt und erschüttert darüber, wie kleinbürgerlich es in meiner Heimatstadt anscheinend zuging. Alles was über den Einheitsbrei aus Jeans und T-Shirt hinausgeht, ist verpönt. In Städten wie Berlin, London oder Amsterdam bräuchte es schon mehr als ein kleines, funkelndes Kleidchen um die Leute aus der Fassung zu bringen. In meiner Stadt hingegen schien man mich für eine wandelnde Discokugel zu halten: „Du musst heute unbedingt mit zum Tanzen kommen, so wie du glitzerst. Das Kleid schreit ja förmlich nach Disco!

 

Mein Kleid und ich beendeten den Abend dann aber lieber unglamourös und schlicht, also so wie die Leute uns den ganzen Abend über schon gerne gehabt hätten. Wir waren einfach zu erschöpft von der geballten ungewohnten und auch ungewollten Aufmerksamkeit, die wir den ganzen Abend lang auf uns gezogen hatten. Aber werde ich deshalb nun aufhören Paillettenkleider zu tragen und mich der Diktatur der Gammel-Garderobe unterwerfen? Nein, ganz bestimmt nicht. Ich sage, jetzt erst recht, meine Lieben!

 

Geht an eure Schränke und schnappt euch das gewagteste, schrillste, funkelndste Outfit, das ihr habt und dann raus damit auf die Straße! Gemeinsam sagen wir den Fashion-Feiglingen den Kampf an. Auf sie mit Gebrüll, Kleinstadtindianer!

 

„Mädchentag“

Heute erzähle ich euch von meinem jüngsten Ausflug in die Modewelt. Meine Freundin hatte mich gefragt, ob ich bei der Abschlussmodenschau ihrer Schule ein paar ihrer Stücke präsentieren wolle. Ohne zu wissen, worauf genau ich mich da einließ, sagte ich zu. Die Show fand in München statt, die Location –das Kesselhaus- war fabelhaft, eine riesige, ehemalige Lagerhalle, in der Mitte ein Laufsteg. Einige der Designer hatten ihre Kollektionen ausgestellt, die wirklich beeindruckend waren. Leider hatte ich nicht viel Zeit mir alles genau anzuschauen, denn kaum war ich angekommen, ging der Stress los:

 

Ich wurde zum Schminken und Frisieren geschickt, wo ich zusammen mit 100 anderen Models auf eine freie Visagistin warten musste. Das „Geschminkt-Werden“ war sehr angenehm. Haarig wurde es dann beim Frisieren, zumal sich einige der Friseure als relativ zickig herausstellten. Sie zogen das Kritisieren eindeutig dem Frisieren vor, da sie an fast jedem dargebotenen Schopf etwas auszusetzen hatten. Irgendwann war das jedoch auch geschafft, das Schlimmste stand allerdings noch bevor: Die Show. Ich war sehr nervös, hatte ich doch überhaupt keine Erfahrungen im Modelbereich, geschweige denn auf dem Laufsteg.

Die Schuhe waren mörderisch, die Absätze Schwindel erregend hoch. Ich ging in den Backstage-Bereich um mich umzuziehen, aber das hätte ich mal besser bleiben lassen sollen. Dass ich die Allerkleinste sein würde, war mir schon vorher klar, aber als ich mich dort inmitten dieser großen, spindeldürren Mädchen beim Umziehen in meiner Strumpfhose verhedderte, fühlte ich mich auch noch plump und fett. Schrecklich. Zum Glück hatte ich nicht viel Zeit mir darüber Gedanken zu machen, denn es waren nur noch wenige Minuten bis zur Show und ich hatte genug damit zu tun, vor Nervosität nicht los zu kotzen. Ich war mir sicher, dass ich ausrutschen und ins Publikum fallen würde.

 

Dann musste ich raus. Ich rannte den Laufsteg rauf und runter, um die Sache möglichst schnell hinter mich zu bringen. Gott sei Dank schaffte ich es ohne hinzufallen oder umzuknicken. Ich war erleichtert. Aber die Aufregung war nach meinem Auftritt noch nicht vorbei, denn im Anschluss präsentierte die Abschlussklasse der Modeschule ihre Kollektionen und bei dieser Show lief eine Freundin von mir mit. Ich setzte mich ins Publikum und wartete gespannt und in Gedanken bei meiner Freundin im Backstage-Bereich, die sicherlich auch kurz vor einem Nervenzusammenbruch stand. Dann fing die Show an. Und sie war fabelhaft. Die Jungdesigner hatten sich gegenseitig in Kreativität und Können übertrumpft, eine fantastische Kollektion folgte der anderen.

 

Von casual bis sportlich über elegant bis hin zu ausgeflippt, es war alles dabei. Ich hätte stundenlang zusehen können. Die Models präsentieren die Entwürfe mit einer beneidenswerten Grazie und Selbstsicherheit. Also genau so, wie ich auch gerne gewirkt hätte. Ich vermute aber, dass ich auf dem Laufsteg leider eher wie ein aufgescheuchtes Huhn aussah.

Ein paar Tage nach der Show habe ich mir Inline-Skates gekauft. Ich habe beschlossen, dass ich etwas für meine Oberschenkel tun muss, denn ich möchte auch solche Beine wie die anderen Models.

 

Mode, Schminke und Komplexe – das war wirklich ein echter Mädchentag.

„Heute bin ich 14“

Ich bin 21 Jahre alt und werde in wenigen Wochen 22. Nur leider glaubt mir das keiner. Ich werde grundsätzlich von allen Leuten für viel jünger gehalten. Ich habe keine Ahnung woran das liegt, OK, ich bin klein, aber das sind Andere auch. Wenn ich mich darüber beschwere kommt immer von allen Seiten „Sei doch froh, ist doch toll, jünger auszusehen, später wirst du das zu schätzen wissen.“

 

Aber ich wette diese Leute wurden nicht bei ihrem letzten Frühstück in einem Café von der Kellnerin gefragt, ob sie denn heute schulfrei hätten, weil sie morgens vor einem Latte Macchiato saßen statt im Bio-Unterricht. Nein, nein, mir kann keiner erzählen, dass so was toll sein soll.


Besonders schlimm ist es auch abends beim Weggehen. Es ist nämlich nicht so, dass die Türsteher von heute besonders rücksichtsvoll oder sensibel sind. Jedes Mal wenn ich mit meinen Freundinnen unterwegs bin, werde ich zielsicher von der Herde abgetrennt, indem man mit dem Finger auf mich zeigt und mich mit den Worten „Von DIR will ich einen Ausweis sehen.“ zu sich beordert. Natürlich verdrehe ich dann immer ganz genervt die Augen und schimpfe vor mich hin, während ich dem Türsteher meinen Ausweis reiche. Sobald er mein Alter dann überprüft hat, schaue ich ihn immer mit meinem „hab-ichs-dir-doch-gleich-gesagt-“Blick an und warte auf eine Entschuldigung oder zumindest eine Rechtfertigung.

 

Bisher leider immer vergeblich. Meistens gehe ich schon mit gezücktem Ausweis zum Clubeingang, das vereinfacht die Sache und geht so wenigstens schneller über die Bühne. Als ich 18 war versuchte ich in einem Anfall von post-pubertärer Rebellion aus meinem jugendlichen Aussehen Profit zu schlagen und kaufte mir im Bus ein Kinderticket (ein Erwachsenenticket braucht man ab 15), das der Busfahrer mir auch ohne mit der Wimper zu zucken aushändigte. Zum Glück bin ich von Natur aus Pessimist und sehr nervös, deshalb rechnete ich mir gleich mein falsches Geburtsdatum aus, falls man mich kontrollieren würde. Und wie sollte es auch anders sein, keine zwei Minuten später stieg ein Kontrolleur ein und kam direkt auf mich zu. Er ließ sich mein Ticket zeigen und musterte mich dann prüfend.

 

Schließlich fragte er mich nach meinem Geburtsdatum (typisch, dass natürlich ausgerechnet er mich als Einziger nicht für 14 zu halten schien. Unter anderen Umständen hätte ich mich wahrscheinlich sogar geschmeichelt gefühlt). Wie aus der Pistole geschossen kam meine zurechtgelegte Antwort. Ängstlich starrte ich den Kontrolleur an, würde er mir wirklich glauben, dass ich erst 14 sein sollte? Mir kam das in diesem Moment selbst so abwegig vor, dass ich mich zusammenreißen musste um nicht selbst zu sagen „ja, OK, Sie haben Recht, ich bin eigentlich schon 18.“ Fast rechnete ich damit, dass er loslachen und mich dann auffliegen lassen würde. Ich war ja selber schuld, wie kam ich nur auf die Idee mich als vierzehnjähriges Mädchen auszugeben, das musste ja schief gehen. Ich war bereit für meine Strafe.

 

„91 geboren sagst du? OK.“ Ich bekam mein Ticket zurück. Der Kontrolleur ging weiter.

 

Und mit ihm meine Hoffnung auf ein Leben ohne Ausweiskontrollen.


 

„Lieblingsmenschen.“

Neulich unterhielt ich mich mit einem Arbeitskollegen über Männer- und Frauenfreundschaften und welche wohl die bessere sei. Mein Kollege, nennen wir ihn mal Martin, also Martin war der Ansicht, dass Männerfreundschaften so toll seien, da sie so unkompliziert wären.

Kein Gezicke. Streit käme zwar auch schon mal vor, aber kurz danach würde beim gemeinsamen Bier wieder Friede, Freude, Eierkuchen herrschen. Martin verdeutlichte mir folglich dass Frauenfreundschaften hingegen genauso kompliziert seien, wie das weibliche Geschlecht an sich.

Nun, ich muss sagen, dass ich aus einem großen Erfahrungstopf schöpfen kann, hatte ich in der Grundschule doch jede Woche eine neue beste Freundin. Damals war es noch einfach. War in der einen Woche noch Lisa meine allerbeste Freundin und alle anderen blöd, so hing ich in der folgenden Woche schon mit Jasmin ab, denn die war einfach viel besser in Gummitwist.

 

Irgendwann kommt dann aber die Zeit, in der Freundschaften nicht mehr davon bestimmt werden, wer einem die meisten Glitzersticker oder Pferdeposter schenkt. Als ich 14 war, brauchten meine Freundinnen Nerven wie Drahtseile, denn ich war in einen drei Jahre älteren Typen aus unserer Schule verknallt und erzählte ihnen jeden Tag, dass ich nie wieder jemand anderen lieben würde, denn er sei schließlich soooooo süüüüüß!

Und das obwohl ich noch nie mit ihm geredet hatte und er vermutlich kleine Mädchen mit Kurzhaarfrisur und roten Karottenhosen nicht so süß fand… Ungeachtet dessen wie peinlich diese Phase im Nachhinein erscheinen mag, sie hat uns zusammengeschweißt.

Schließlich hätte nicht jede Freundin mit mir auf dem Schulgang auf meinen Schwarm gewartet, um ihm dann unauffällig kichernd zu folgen. Jahrelang haben meine Freundinnen sich meine Probleme bis ins letzte Detail schildern lassen. Und das nicht nur einmal. Umgekehrt war es natürlich genauso.  Ich glaube nicht, dass es noch irgendeinen Typen in unserem Bekanntenkreis gibt, dessen Verhalten wir nicht versucht (!) haben, bis ins letzte Detail zu analysieren.

Wenn man so viel über einander weiß und zusammen durchgemacht hat, verbindet das natürlich ungemein. Meine besten Freundinnen kenne ich seit ich sechs bin und wenn wir uns treffen, packen wir gerne wieder mal die alten, peinlichen Geschichten der anderen aus. Natürlich gab es auch schon oft Probleme zwischen uns, manchmal sogar richtig schlimm, mit Ignorieren und allem was zu so einem richtigen Frauenstreit dazugehört.  Aber wir finden immer wieder zueinander, da man auf so einen großen und wichtigen Teil seines Lebens nicht verzichten möchte. Und ich denke das ist es, was zählt. Nicht, wie oft man sich streitet oder aus welchen Gründen man sich streitet. Sondern, dass man am Ende doch immer wieder zueinander findet. Das macht eine Freundschaft stärker und inzwischen glaube ich wirklich, dass meine Freundschaften für immer halten und Alles überwinden können.

Nicht so wie damals mit Lisa…“

„Hier sitzt schon meine Handtasche.“

Dass das Thema Frauen und ihre Handtaschen vielen Männern immer wieder Rätsel aufgibt ist nichts Neues („Wieso kannst du nicht einfach statt dieser Riesentasche einen Rucksack nehmen? Ist doch viel praktischer.“ Zitat: Mein Freund). Erst kürzlich verfiel mein eigener Bruder in absolute Fassungslosigkeit, als er mich zwei Haarbürsten und mindestens 14 verschiedene Lippenstifte in meine Tasche packen sah („Du gehst doch nur kurz zum Supermarkt?!“).

Solche und ähnliche Situationen hat bestimmt schon jede Frau erlebt. Stets habe ich in solchen Momenten meine Handtasche und ihren hohen Stellenwert verteidigt. Die Handtasche ist Frau nunmal sehr wichtig, keine Frage. Bisher machte ich mir über diese einfache Tatsache auch nie großartig Gedanken. Bis zu meiner letzten Berlinreise.

Folgende Situation: Shuttle-Bus auf dem Weg zum Flugzeug. Es war halb sechs am Morgen, der Bus überfüllt, nirgendwo war mehr ein Sitzplatz zu kriegen. Ich sah mich gelangweilt um, da fiel mein Blick auf eine junge Frau, sehr stylish, sehr selbstbewusst – und sehr unverschämt. Sie hatte als eine der wenigen Glücklichen einen Sitzplatz bekommen und saß dort – vertieft in ein Modemagazin – am Fenster. Auf dem Platz neben ihr thronte dunkel, wichtig, groß und ebenfalls sehr schick – ihre Handtasche.

Das Kuriose daran war nicht nur die Tatsache, dass diese Handtasche in einem überfüllten Bus voller Leute einen eigenen Sitzplatz hatte, sondern vielmehr, dass aufgrund der Selbstverständlichkeit, die diese Frau dabei ausstrahlte, keiner auf die Idee kam sich zu beschweren, geschweige denn der Handtasche den Sitzplatz wegzunehmen.
Anscheinend gilt in solchen Situationen das Prinzip: „Wenn meine Handtasche schon so wichtig ist, dass sie einen eigenen Sitz braucht, könnt ihr euch wohl denken wie wichtig ich dann wohl bin, sprecht mich also gar nicht erst an.“

Und dieses Prinzip schien aufzugehen. Meine Freundin und ich staunten offen angesichts dieser bodenlosen Dreistigkeit und bewunderten insgeheim das dahinterstehende Fashion-Statement. „Meine Handtasche ist um einiges wichtiger als ihr Loser.“
Inspiriert von dieser Situation und beflügelt von drei Tagen Fashion-Week in Berlin, versuchte sich meine Freundin auf dem Rückflug ebenfalls an diesem Experiment. Allerdings in entschärfter Form.

Wir saßen im Flieger und warteten bis alle Passagiere an Bord waren. Meine Freundin stellte fest, dass der Sitz neben ihr frei geblieben war und somit zu ihrer freien Verfügung stand. Kurzerhand griff sie unter ihren Sitz und holte ihre neu erworbene, Berliner Handtasche hervor. Kichernd stellte sie das gute Stück neben sich auf den freien Platz und schnallte sie vorschriftsgemäß an.

Wir bewunderten froh unser Werk und freuten uns für die Handtasche über ihr unerwartetes „complimentary upgrade“. Jäh wurden wir aber aus unserer Verzückung gerissen, als wenige Minuten später eine sichtlich verwunderte Stewardess kritisch die Handtasche meiner Freundin beäugte und meinte: „Könnten Sie Ihre Handtasche bitte abschnallen und unter Ihren Vordersitz legen? Wie jeder andere Passagier auch?“
Anscheinend gelten in der Luft keine Fashion-Regeln.